Alles Gute für Ihre Füsse

Problemzone: Diabetiker-Füsse brauchen viel Aufmerksamkeit. Worauf Sie bei der Pflege und bei der Auswahl Ihrer Schuhe achten sollten - und wann der Fachmann gefragt ist.

Die Füsse haben eindeutig das schlechtere Ende, das Menschen erwischt. Sie schleppen die ganze Last des Körpers, gehen unzählige Schritte am Tag. zig-tausend Kilometer in einem Leben. Eine gewaltige Aufgabe, für die sie viel mehr Zuwendung verdient hätten, als ihnen die meisten Menschen gönnen. Diabetiker – Füsse sind besonders gefährdet. Vor allem, wenn sich infolge eines schlecht eingestellten oder jahrelang nicht erkannten Diabetes Nervenschäden entwickelt haben. Druckstellen oder Verletzungen werden dann wegen des verminderten Schmerzempfindens zu spät bemerkt. Ist auch noch die Durchblutung gestört, weil der Diabetes die Blutgefässe geschädigt hat, können Schäden schlecht heilen. Die Folge: Selbst winzige Verletzungen oder auch Fusspilz – Infektionen können in ein chronisches Fussgeschwür münden. Es kann sogar die Amputation drohen.

Im Zweifelsfall zum Arzt!
Wer seine Füsse regelmassig pflegt, kann viele Probleme verhindern. In einigen Fällen sollten Sie Ihre Füsse dennoch besser einem Fachmann anvertrauen: „Die Behandlung von Hühneraugen oder dicken Hornhautschwielen gehört in die Hände einer Fachkraft für medizinische Fusspflege - am besten eines Podologen“. Auch wenn Sie nicht mehr gelenkig genug sind oder schlecht sehen und deshalb die Gefahr besteht, dass Sie sich bei der Fusspflege verletzen oder Fussprobleme nicht erkennen, sollten Sie die Fusspflege dem Podologen überlassen. Bei Rötung, Wunden, Blasen oder Hornhautschwielen mit dunklen Flecken an den Füssen sollten Diabetiker unverzüglich zum Arzt.
Für Patienten mit Nervenschäden, Durchblutungsstörungen oder Verformungen an den Füssen sind die folgenden Regeln fast ein Muss. Aber auch wenn Ihre Füsse noch völlig in Ordnung sind, sollten Sie sie regelmässig gut pflegen und ihnen viel Aufmerksamkeit schenken, weil sich Veränderungen meist schleichend einstellen.

1. Fusswäsche: nicht zu lang und nicht zu heiss
Waschen Sie Ihre Füsse täglich, zum Beispiel unter der Dusche oder in einem Fussbad. Benutzen Sie einen weichen Waschlappen, keine Bürsten oder Massagehandschuhe, weil sie die Haut zu stark aufrauen, Das Wasser darf nicht wärmer als 30° bis 35° Grad sein (Thermometer benutzen!), Mit zu heissem Wasser können Sie sich die Füsse verbrühen, Das Fussbad sollte nicht länger dauern als fünf Minuten, sonst weicht die Haut auf, was Keimen das Eindringen leicht macht. Verwenden Sie milde, rückfettende Waschlotionen, Waschfluids mit feuchtigkeitsbindendem Harnstoff oder eine milde Seife, beispielsweise Babyseife.

2. Sorgfältig abtrocknen
Trocknen Sie die Füsse nach dem Waschen sorgfältig ab, besonders zwischen den Zehen. Bleibt hier Feuchtigkeit zurück, können sich eher Pilze einnisten. Benutzen Sie zum Abtrocknen ein weiches Handtuch und rubbeln Sie nicht, damit Sie die empfindliche Haut nicht verletzen. Wer möchte, kann die Füsse auch trocken föhnen. Aber Vorsicht: Erlaubt ist nur die Kaltstufe! Wenn Ihr Temperaturempfinden aufgrund von Nervenschäden gestört ist, besteht sonst das Risiko von Verbrennungen. Wer zu Fussschweiss neigt, sollte sich die Füsse möglichst mehrmals am Tag kurz waschen und abtrocknen und danach die Strümpfe wechseln. Der Fussschweiss kann die Haut angreifen, so dass Bakterien und Pilze leichtes Spiel haben. Lassen Sie sich nicht dazu verführen, parfümierte oder desodorierende Badezusätze zu verwenden, denn diese können die Haut reizen.

3. Tägliche Fusskontrolle: ist alles in Ordnung?
Bei acht von zehn Amputationen machte eine Bagatellverletzung den Anfang. Die Hauptursachen sind schlecht passendes Schuhwerk (vor allem bei Hausschuhen!), Verbrennungen durch Wärmflaschen, zu heissen Fussbädern oder Heizdecken oder (selten) Verletzungen durch Barfusslaufen. Weil bei Nervenschädigungen der Schmerz als frühes Warnsignal ausfällt, können nur durch die tägliche Kontrolle der Füsse winzige Verletzungen, Druckstellen, Reizungen oder beginnende Entzündungen rechtzeitig erkannt und behandelt werden.
Untersuchen Sie Ihre Füsse daher jeden Abend. Die Fusssohle kontrollieren Sie am besten mit einem Handspiegel, oder Sie bitten Angehörige, das zu übernehmen. Teleskopspiegel erlauben die Inspektion der Fusssohle ohne grössere Verrenkungen. Rasier- oder Vergrösserungsspiegel helfen, kleinste Veränderungen zu erkennen. Und vergessen Sie nicht, die Haut zwischen den Zehen zu begutachten.
Betrachten Sie Ihre Füsse genau: Hat sich eine Blase gebildet? Entdecken Sie eine kleine Hautverletzung? Sehen Sie Druckstellen oder gerötete Stellen? Zeichnet sich irgendwo eine Strumpfnaht ab, oder sehen Sie gar Abdrücke des Schuhs? Haben sich Hühneraugen oder Hornhautschwielen gebildet? Wachsen die Nagelecken ein, oder zeigen sich Entzündungszeichen wie Rötung und Schwellung? Ist die Haut irgendwo eingerissen? Sind die Fussnägel weiss oder gelb verfärbt? Scheuen Sie sich nicht, auch bei kleinsten Verletzungen Ihren Arzt aufzusuchen.

4. Cremen - aber nicht zwischen den Zehen
Diabetesbedingte Nervenschäden bewirken, dass die Schweissproduktion nachlässt.
Die Haut trocknet aus und reisst leicht ein. Ideale Bedingungen, dass Bakterien oder Pilze eindringen können. Je trockener die Haut an den Füssen ist, desto wichtiger ist es, sie täglich nach dem Fussbad mit feuchtigkeitsspendender Creme, Cremeschaum oder harnstoffhaltiger Lotion zu pflegen. Denken Sie auch an die Fusssohlen, aber lassen Sie die Zehenzwischenräume aus. Das feuchtwarme Klima, das sonst zwischen den Zehen entstünde, bildet einen idealen Nährboden für Pilze.

5. Nägel feilen, Nagelecken glätten
Oberstes Gebot bei der Nagelpflege: Meiden Sie alles, was zu Verletzungen führen könnte. Kürzen Sie Ihre Nägel regelmässig, aber nur so viel, dass sie mit der Zehenkuppe abschliessen. Sind die Nägel zu kurz, wachsen sie leicht ein. Besser geeignet als Schere, Zange oder Knipser (Verletzungsgefahr!) sind Glasnagelfeilen. Feilen Sie die Nägel gerade, glätten Sie scharfe Nagelecken, damit sie nicht in die benachbarten Zehen stechen, aber feilen Sie sie nicht rund. Sie wachsen sonst leichter ein. Massieren Sie den Nagelwall mit Hautfunktionsöl oder Nagelbalsam.

6. Hornhaut behutsam entfernen-und Finger weg von Hühneraugen!
Mit Hornhaut versucht den Körper, druckbelastete Stellen zu schützen. Zu viel Hornhaut kann zu Rissen und Wunden führen und sollte regelmässig entfernt werden. Erlaubt ist lediglich das Abtragen oberflächlich trockener Schichten mit Hilfe eines Naturbimssteins, einer abgerundeten Hornhautfeile oder eines batteriebetriebenen Schleifgeräts. “Finger weg von Gegenständen, mit denen Sie sich verletzen können, wie Hornhauthobel oder Raspel“, warnt Dr. Zink. Schwielen und Hühneraugen sollte der Podologe behandeln. Verwenden Sie keine Hühneraugenpflaster ,-salber oder –tinkturen. Denn sie können die Haut angreifen. Bei Hühneraugen oder Schwielen sollten Sie auch mit Ihrem Arzt sprechen. Möglicherweise brauchen Sie andere Schuhe: Schwielen an der Fusssohle entstehen durch ungeeignete Schuhe oder durch Verformungen des Fussskeletts, wie etwa Spreizfüsse.

Diabetiker Ratgeber Ausgabe März `04